Notengebung am bayerischen Gymnasium
Die Schulordnung für die Gymnasien in Bayern (GSO) definiert in §§ 28–30 die Grundlagen der Leistungserhebung. In der Sek I (Jgst. 5–10) werden Ziffernnoten 1–6 vergeben; in der Qualifikationsphase (Q11/Q12) das Notenpunktesystem 15–0 — drei Notenpunkte entsprechen einer Notenstufe. Hintergrund im Lexikon: Notenpunkte.
Der Schlüssel selbst — also wie viel Prozent für welche Note nötig sind — ist nicht in der GSO festgelegt. Üblich ist der lineare 50-%-Schlüssel (Note 4 ab 50 % der Maximalpunktzahl), optional mit Knick an der Bestehensgrenze für eine gerechte Verteilung im 4er-Bereich.
Schulaufgabe oder Stegreifaufgabe — was zählt wie?
Bayerische Gymnasien unterscheiden zwei Hauptformen schriftlicher Leistungserhebung:
Schulaufgaben sind die großen, angekündigten Klausuren — pro Halbjahr meist ein bis vier je Fach. Sie zählen in der Regel höher (oft doppelt oder zweidrittel) als die übrigen Noten. Im Notenschlüssel selbst gibt es keinen Unterschied — der Schlüssel ist derselbe wie für Stegreifaufgaben.
Stegreifaufgaben ("Exen") sind kurze, unangekündigte Lernzielkontrollen zu den vergangenen ein bis zwei Stunden. Sie fließen in den Bereich der mündlichen / sonstigen Noten ein. Maximalpunktzahl typischerweise 10–20.
Sowohl Schulaufgaben als auch Stegreifaufgaben werden in der Regel mit demselben Schlüssel (oft 50 % lineare Bestehensgrenze) umgerechnet. Die Gewichtung für die Halbjahresnote ist sogenannte „Mathematik" der jeweiligen Fachschaft.
Oberstufe: Notenpunkte 15–0
In Q11 und Q12 wird mit Notenpunkten gerechnet — eine Klausurleistung wird zunächst in Prozent erfasst und dann gemäß dem im Fach beschlossenen Schlüssel in die Skala 0–15 abgebildet. Die ISB-Korrekturhilfen für Abitur-relevante Klausuren geben Punktverteilungen pro Aufgabe vor, der Schlüssel wird darüber gelegt.
Wichtig: Ein Halbjahr mit 0 Notenpunkten gilt als nicht erbracht; ein Halbjahr mit weniger als 5 Notenpunkten ist ein Unterkurs und zählt für die Belegungspflicht der Qualifikationsphase mit Einschränkungen.
Praktisch heißt das: Wer eine Klausur mit 60 % der Maximalpunkte schreibt, landet bei einem 50-%-Schlüssel ohne Knick je nach Verlauf bei etwa 6 Notenpunkten (Note 4+). Mit Knick verschiebt sich die Verteilung im 4er-Bereich nach oben.
Das bayerische Abitur: Einbringung und Gesamtschnitt
In der Qualifikationsphase (Q11/Q12) zählen die Halbjahresleistungen direkt fürs Abitur. Die Gesamtqualifikation setzt sich aus zwei Blöcken zusammen: Block I sind die eingebrachten Halbjahresleistungen aus Q11/Q12, Block II die fünf Abiturprüfungen (schriftlich, mündlich und Kolloquium). Maximal erreichbar sind 900 Punkte; ein Schnitt von 1,0 ergibt sich ab 823 Punkten.
Jede einzelne Klausur in Q11/Q12 wird zunächst über den Fach-Schlüssel in Notenpunkte (15–0) umgerechnet — genau das macht der Rechner oben. Den Gesamtschnitt aus mehreren Halbjahresleistungen bilden Sie anschließend mit dem Notendurchschnitt-Rechner. Eine bayerische Besonderheit ist das verpflichtende W-Seminar (wissenschaftspropädeutisch) und P-Seminar (Projekt sowie Studien- und Berufsorientierung), deren Ergebnisse ebenfalls in Block I einfließen.