Die Abiturnote setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Block I mit den Kurshalbjahres-Ergebnissen der Qualifikationsphase und dem Block II mit den Abiturprüfungen. Beide Blöcke werden in Notenpunkten gerechnet, addiert und über eine bundesweit einheitliche Formel in die Endnote 1,0 bis 4,0 überführt. Wer wissen will, welche Note am Ende auf dem Zeugnis steht, kommt um eine kleine Punktebuchhaltung nicht herum — die Schritte sind aber dieselben in allen Bundesländern, auch wenn einzelne Details variieren.
Was das Abitur in Punkten misst
Die KMK gibt einen Rahmen vor, an den alle Bundesländer ihre Abiturordnungen anlehnen:
- Maximal 900 Punkte gesamt (Block I + Block II)
- Mindestpunktzahl 300 Punkte für die Note 4,0 (bestanden)
- Block I: maximal 600 Punkte, mindestens 200
- Block II: maximal 300 Punkte, mindestens 100
Diese Maxima gelten in allen Bundesländern; die Wege dorthin unterscheiden sich.
Block I — die Qualifikationsphase
Block I bündelt die Halbjahres-Ergebnisse aus der Qualifikationsphase (Q1 bis Q4 in G8, 11. bis 13. Jahrgangsstufe in G9). Eingebracht werden je nach Bundesland zwischen 32 und 40 Halbjahres-Ergebnisse. Konkret:
- Halbjahres-Ergebnisse in Notenpunkten (0 bis 15)
- Leistungskurse zählen in vielen Ländern doppelt (Bayern hat ein abweichendes Modell ohne klassische LKs)
- Pflichtfächer (Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache, eine Naturwissenschaft etc.) müssen vollständig eingebracht werden — die Vorgaben unterscheiden sich nach Land
Die Rechenformel skaliert die eingebrachten Halbjahres-Ergebnisse so, dass das Maximum exakt 600 Punkte ergibt. In Ländern mit 40 eingebrachten Halbjahres-Ergebnissen (Faktor doppelte LKs einbezogen) ergibt sich:
Block I = Summe aller eingebrachten Halbjahres-Punktzahlen × 40 ÷ Anzahl der Punktwerte mit Gewichtung
Die genaue Formel steht in der Abiturverordnung des Bundeslandes. Wichtig: Halbjahres-Ergebnisse mit weniger als 5 Punkten gelten als Unterkurse und sind nur in begrenzter Zahl zulässig — typischerweise im einstelligen Bereich, abhängig von der Verordnung.
Block II — die Abiturprüfungen
In den meisten Bundesländern legen Schülerinnen und Schüler fünf Abiturprüfungen ab: drei oder vier schriftliche und eine bis zwei mündliche. Jede Prüfung wird mit 0 bis 15 Notenpunkten bewertet.
Block II = Summe der Prüfungs-Punkte × 4
Bei fünf Prüfungen mit jeweils maximal 15 Punkten ergibt sich:
5 × 15 × 4 = 300 Punkte Maximum
Mindestens 100 Punkte in Block II sind erforderlich, und es gelten zusätzliche Bedingungen: In typischerweise mindestens drei der fünf Prüfungen müssen 5 Punkte oder mehr erreicht werden. Die genauen Schwellen stehen in der jeweiligen Abiturverordnung.
Die Endnote — KMK-Formel
Aus der Gesamtpunktzahl (Block I + Block II) wird die Abiturnote nach einer bundesweit einheitlichen Formel ermittelt:
Abiturnote = 17/3 − Gesamtpunktzahl ÷ 180
Die Formel lässt sich nicht ohne Taschenrechner im Kopf machen, deshalb veröffentlichen alle Bundesländer die zugehörige Tabelle. Eckwerte:
| Gesamtpunktzahl | Abiturnote |
|---|---|
| 823–900 | 1,0 |
| 760–822 | 1,1–1,3 |
| 660 | 2,0 |
| 480 | 3,0 |
| 300 | 4,0 |
| unter 300 | nicht bestanden |
Die genaue Aufschlüsselung jeder Punktzahl auf eine Zehntelnote steht in der Anlage der jeweiligen Abiturverordnung — die Zwischenwerte ergeben sich rechnerisch aus der Formel oben.
Beispielrechnung
Eine Schülerin schließt das Abitur in einem Bundesland mit 40 eingebrachten Halbjahres-Ergebnissen und doppelter LK-Gewichtung ab.
Block I — Halbjahres-Schnitt 10 Notenpunkte:
Bei 40 eingebrachten Werten und durchschnittlich 10 Punkten ergibt sich näherungsweise:
40 × 10 × 1 (Skalierungsfaktor zum 600er-Maximum) ≈ 400 Punkte in Block I
Block II — fünf Abiturprüfungen mit 12, 10, 11, 9 und 13 Punkten:
(12 + 10 + 11 + 9 + 13) × 4 = 55 × 4 = 220 Punkte in Block II
Gesamt: 400 + 220 = 620 Punkte
Endnote nach Formel: 17/3 − 620 ÷ 180 = 5,67 − 3,44 = 2,2
Auf dem Abiturzeugnis erscheint also eine Abiturnote von 2,2.
Bundesland-Unterschiede
Trotz KMK-Rahmen bleiben Unterschiede:
- Bayern: Keine klassischen Leistungskurse, dafür zwei Halbjahresleistungskurse, eine W-Seminararbeit (gewichtet) und ein P-Seminar. Die Verrechnung folgt einer eigenen Bayerischen Abiturordnung.
- Baden-Württemberg: Vier-Fächer-Prüfung mit Seminararbeit als möglicher fünfter Prüfungsteil.
- NRW, Niedersachsen, Hessen, Berlin u. a.: Folgen weitgehend dem klassischen LK-Modell mit unterschiedlicher Anzahl eingebrachter Halbjahres-Ergebnisse.
- Beste-Bedingungen-Regel: Manche Länder lassen die Streichung der schwächsten Halbjahres-Ergebnisse zu, andere nicht.
Die endgültige Berechnung erfolgt durch die Schule auf Basis der Abiturverordnung des jeweiligen Landes. Eigenrechnungen vor der Zeugnisausgabe geben aber eine zuverlässige Größenordnung.
Mindestbedingungen — was außer dem Punkteschnitt noch zählt
Die Punktzahl allein entscheidet nicht. Zusätzlich gelten:
- Mindestens 5 Punkte in vorgeschriebenen Fächern und Prüfungen
- Begrenzte Anzahl Unterkurse in Block I (meist 8 oder weniger, je nach Land)
- Mindestens 100 Punkte in Block II
- Bei mündlicher Zusatzprüfung: Mittelung mit der schriftlichen Note nach 2:1-Schlüssel
Wer eine dieser Bedingungen reißt, kann trotz hoher Gesamtpunktzahl durchfallen.
Berechnung mit der App
Die Abiturberechnung von Hand ist machbar, aber fehleranfällig — vor allem die Skalierung in Block I und die Sonderfälle bei mündlichen Zusatzprüfungen. Wer den Stand während der Qualifikationsphase regelmäßig nachhalten möchte, profitiert von einem Werkzeug, das die eingebrachten Kurse, Notenpunkte und die Block-II-Schätzung in einer Oberfläche zeigt. Der Notenrechner ist eine kostenlose App für iPhone und iPad — die Android-Version startet in Kürze.
Für die Klausuren in der Qualifikationsphase selbst hilft der Notenschlüssel-Rechner; für laufende Halbjahresnoten der Notendurchschnitt-Rechner.